Kabinettfotos, CDVs und Fotografiegeschichten

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PS Knäppa – die neue Klickse von IKEA

Knäppa - Kamera von IKEAEine Kollegin brachte mir heute eine ganz irrwitzige kleine Klickse mit ins Büro. Die erste Digitalkamera von … IKEA. Nicht zu glauben, der schwedische Möbelhersteller, der Massen von Kundinnen und Kunden mit Bücherregalen wie Billy austattet, dieses  Möbelhaus bringt nun Technik auf den Markt. Aber IKEA wäre nicht IKEA, wenn das Produkt, na sag ich mal, dann doch irgendwie einen Tick anders wäre.

Knäppa heißt die kleine Klickse – und sie kommt komplett mit einem Pappgehäuse daher, das so braun ist wie die Pappschachteln von Billy und Co. Zwischen diesen Pappen sitzt eine kleine Linse und die wiederum sitzt auf einer Platine mit USB-Anschluss (roundabout 2,3 Megapixel).

Das alles sieht nicht nur wahnsinnig billig aus, sondern ist es auch. Letztlich ist es aber die konsequenteste Kampfansage an die Einweg-Wegwerfkameras seit Erfindung der Digitalfotografie. Damit sind die Zeiten, bei denen wie etwa auf Hochzeiten und Betriebsausflügen die Einwegwegwerfkameras dominieren, die mitsam Batterien, Blitz und Plastegehäuse geschreddert werden. Nein, unscharf ist cool, verwackelt noch cooler und der Kampf gegen den allgegenwärtigen Pixelwahn sozusagen das neue schwarz in der Modebranche.

und es hat Klick gemacht - KNÄPPA-Foto vom AlexKnäppa ist schwedisch und heißt in etwa so viel wie einschalten. Das und das Auslösen, das sind die beiden Grundfunktionen auf der Kamera. Kein Scharfstellen, kein Blitz. Die Bilder, naja, rauschig, gerade so scharf – die Farben mau. Aber funktioniert wie ein VW-Käfer. Fotos machen, per USB-Stick rüberziehen, mit einer Büroklammer wieder löschen, von vorne anfangen.Käuflich ist das gute Stück leider noch nicht – aber verlost wird es wohl ab und an.

Eine andere Kollegin, die mit einer mehreren hundert teuren Euro-Spiegelreflex heute für mich Bilder machen musste, schrieb am Ende ihres Einsatzes: Kamerahahahaha, wegen der vielen Verschlussswackelscharfstellwartezeiten, in denen das Bildmotiv längst einmal das Buffet abgeräumt hatte.

Nun denn: Knäppa!

Sags mit Blumen…

alles neue macht der mai

Yokohama 1888

In einem meiner jüngst erworbenen Fotokonvolute fanden sich drei sehr spannende Aufnahmen von einem Europäaer, der um 1888  Japan besuchte. Das Album ist von einer enormen Pracht in einem breiten Format, das ich so bislang nicht gesehen habe. Drei Bilder zeigen den jungen Mann in Japan, einmal an einem Tisch mit Freunden sitzend. Und dann sind da zwei Aufnahmen, die den jungen Mann in traditioneller japanischer Kleidung zeigen.

Das hier geziegte Bild ist nicht mehr von guter Qualität. Es entstand laut rückseitiger Aufschrift im Mai 1888 in Yokohama in einem nicht näher benannten Atelier. Es zeigt ihn in traditioneller Kleidung mit Schwertern an der Seite und eigentümlicher Weise mit einem kleinem Schirm:

Yokohama 1888

Erich Honecker im Exil – Fotos von 1989

In einem meiner Fotokonvolute tauchte vor längerer Zeit ein bereits zerschnittener Diafilm auf. Ein paar Bilder waren gerahmt, der Rest in Streifen. Hm, dachte ich bei der ersten schnellen Sichtung – keine Bilder von besonderer Güte – nichts was ich für wichtig halte. Viele vollkommen verwackelte Bilder sind darauf. Unscharf ohne Ende, ab und an baumelt mal ein Kamerkabel vor der Linse.

Ein Herr beim Schreiben.

Nur, dachte ich, der Herr da drauf, der kommt mir bekannt vor.

Ich hiel die restlichen Dias vor eine besonders starke Lampe.

Die Brille.

Die schlohweißen Haare.

Ist das vielleicht…

 

 

Erich Honecker beim Unterzeichnen.

Ja, genau. Erich Honecker.

Irgendwann war klar, dass auf den Fotos kein geringerer als Erich Honecker in einem seiner Exile 1989 zu sehen ist.

 

Die Bilder zeigen offenbar eine Interviewsituation – er  liest ein Dokument und unterzeichnet es.

 

Ab und an ist am Rande auch seine Frau Margot zu sehen, noch mit deutlich gefärbten Haaren.

Wo die Bilder entstanden sind, ist derzeit nicht klar.

Erich Honecker

 

126. Geburtstag von Mies van der Rohe

Als ich heute mal wieder google.de öffnete, da fiel mir der sehr schön gestaltete Schriftzug auf. Ludwig Mies van der Rohe hat heute seinen 126. Geburtstag und deshalb widmete ihm google seinen Schriftzug.

Mies van der Rohe Copyright google inc.

Ich nehme das zum Anlass, die kleine aber außergewöhnliche Foto-Recherche zu erzählen.

In einem Kasten von alten Aufnahmen entdeckte ich vor längerer Zeit einen Schmuckkarton mit einem netten Foto, vorne ein Deckblatt aus Pergamin. Darunter ein sepiafarbenes Foto. Zu sehen sind darauf drei Kinder. Die drei im gleichen Dress gekleideten Mädchen sitzen an einem Tisch und spielen mit Bauklötzen. Sie sitzen zudem auf modernen Kinderstühlen aus Bugholz – überhaupt wirkt das Foto sehr arrangiert.

Auf dem Blatt vorn ist unten rechts ein Prägestempel: Atelier Jessen, Charlottenburg, Bismarckstr. 3. Was mich aber noch stutziger machen sollte, war eine  Widmung auf der Rückseite des Blattes: “Unser lieben Tante – Lili, Muck, Anneli u. Traudel.”

Und dann in anderer Handschrift und Schriftfarbe “Mies van der Rohe” mit einem so unverwechselbaren Schriftzug, dass ich sofort das Gefühl hatte, kann das wirklich sein? Kann das die originale Unterschrift von ihm sein – vom Architekten u.a. der Neuen Nationalgalerie – und sind das evtl. seine drei Kinder?

Meine Freundin, eine profunde Rechercheurin und Historikerin, und ich haben nun versucht, nach weiteren Indizien zu suchen.

Beispielsweise haben wir nach dem Atelier Jessen recherchiert – hier sind wir aber nicht weiter fündig geworden. Unter Umständen handelt es sich um das Atelier Lisi Jessen – aber auch das half uns zunächst nicht weiter.

Ein Unterschriftenvergleich brachte für uns als Laien nur eine leidliche Übereinstimmung – weder wissen wir bei den öffentlich zugänglichen Vergleichsunterschriften noch bei unserer, wann genau diese entstanden sein könnten – charakteristisch ist die Unterschrift auf unserem Deckblatt jedenfalls schon, sie weist auch an einzelnen Stellen Übereinstimmungen auf – an anderen wieder nicht.

Erfolgreicher gestaltete sich die Suche nach den Töchtern: “Vor und während des Ersten Weltkriegs bekam seine Frau Ada drei Töchter, darunter Georgia.  Ab 1920 geriet seine Ehe in eine tiefgreifende Krise und 1921 trennte sich das Paar in gegenseitigem Einvernehmen. Im folgenden Jahr erweiterte er seinen Nachnamen um die Herleitung „van der“ und den Geburtsnamen seiner Mutter zu „Mies van der Rohe“, heißt es bei wikipedia.

Wir recherchierten die Namen auf der Rückseite des Kartons.

Nach längerer Suche stellten wir fest, es kann es sich handeln um:

- Dorothea, Spitzname Muck, Künstlername: Georgia van der Rohe
- Marianne, auf der Rückseite Anneli
- Waltraut, auf der Rückseite Traudel
(Quelle: Frederic Schulze, “Mies van der Rohe – a critical biography – 1985″)

Gewidmet ist das Foto Tante Lili. Hier kann es sich durchaus um Lilly Reich handeln, sicher ist das nicht. Zumindest hatte Lilly Reich Kontakt zu Mies van der Rohe – warum der Name aber Lili geschrieben sein sollte, ist nicht nachvollziehbar.

Alles in allem ist es nicht sicher, ob das die kleinen Kinder von Mies und Ada sind, es fehlt uns beispielsweise ein Vergleich mit Kinderfotos und evtl. weiteren Bildern aus dem Atelier Jessen bzw. evtl. einer Aufnahmeserie. Zu vermuten ist, dass das Bild Mitte der 20er Jahre als Geschenk (Unser lieben Tante) arrangiert wurde – und es später nochmals unterschrieben wurde.

Aber das Arrangement mit den Bauklötzen könnte eine verspielte Andeutung auf die Architektentätigkeit sein – durchaus mit einem Augenzwinkern.

Hier nun das Foto:

Copyright: T. Hegewisch (kartique.de)

Schicke Schottin im Atelier

Ich suche unter den Kabinettfotos immer wieder nach den Ausreißern. Inzwischen haben ich auch ein gutes Gespür dafür, welche Bilder sich aus der enormen Masse der Kabinettfotos, CDV und Fotopostkarten abheben und wo ich diese bei den Händern meiner Wahl zu guten Preisen finde. Ab und an gehe ich zwar leer aus – aber manchmal bekomme ich den Zuschlag und freue mich über das eine oder andere ausdrucksstarke alte Foto wie dieses im United Kingdom aufgenommene sehr schöne Kabinettfoto:

lässige schottin

Guck vom Turm

Was muss das für ein toller Ausblick sein vom Fernsehturm – dachte ich mir. Und dann dacht ich: ach, hast du doch so häufig, dann kannst du ja auch mal etwas rumexperimentieren. Unscharf finde ich insofern witzig, weil wir gnadenlos gegen unscharfe Bilder vorgehen. Es gibt heute kaum noch unscharfe Bilder, nicht nur weil die Technik um Längen besser und bedienbarer und die Sofort-Ansicht das Sichten und Vernichten revolutioniert hat. Daher: unscharf ist hip:

lug ins land

zum Planschen ans Meer

ja, gut, der Frühling kommt ja erst noch. Aber dann, aber dann wird Sommerfrische am Meer getankt – so wie diese achte Badefreunde:

 

Copyright: kartique.dawanda.com

Linktipp

Soeben entdeckt: http://cabinetcardgallery.wordpress.com/

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